So schaffen es zwei kanadische Teenager, mit Fake-Nachrichten, die völlig frei erfunden sind, nach eigenen Angaben teilweise 3.000 US-Dollar am Tag zu verdienen. Dies gelingt ihnen über ihr ‚News-Portal‘ Hot Global News. Die Verbreitung unterstützen wissentlich oder unwissentlich rund 90.000 Facebook-Fans. Aber auch Google tut sich scheinbar schwer damit, Fake-Nachrichten als solche zu erkennen und in den Suchergebnissen nicht an prominenter Stelle zu präsentieren. Laut dem Bericht von Online Marketing Rockstars setzen die beiden Kanadier scheinbar absichtlich auf Irreführung, da auf der Internetseite kaum ersichtlich ist, dass es sich um komplett frei erfundene, um nicht zu sagen erlogene Geschichten handelt. Und dabei spielen sie thematisch durchaus mit dem Feuer, wenn sie z.B. behaupten, der kanadische Premierminister sei für eine Legalisierung von Marihuana oder ISIS verstecke Bomben in Spielzeugpuppen, um Menschen zu verletzen. Zwar findet man am Ende der Internetseite im Kleingedruckten den Hinweis, dass es sich bei dem Portal um eine Satire-Website handelt, scheinbar ist es aber für die Leser schwierig, zwischen Satire und Wahrheit bzw. echten Nachrichten zu unterscheiden. Sie glauben offensichtlich, was online steht und in der Aufmachung eines Nachrichtenmagazins erscheint und teilen die Meldungen fleißig in den sozialen Netzwerken. Dort entstehen dann rege Diskussionen zu Themen, die erstunken und erlogen sind.
Was kann man tun, um Fake-Nachrichten zu enttarnen?
Diese Frage ist sicherlich nicht einfach zu beantworten. Sie geht in die Richtung, wem kann man heutzutage noch glauben – insbesondere im Internet?
Eine einfache Empfehlung ist sicherlich: Nachdenken! Kann das sein, macht das Sinn? Und dann nachlesen und recherchieren: Wer hat das geschrieben? Wer steckt hinter einer Meldung, wem könnte sie letztlich nutzen? Die Überprüfung und Recherche von Quellen ist nicht nur für Journalisten wichtig. Als Online-Leser kann man dies durchaus auch selbst mal übernehmen. Eine gute Hilfe hierbei ist beispielsweise mimikama.at. Hier werden Online-Meldungen und Facebook-Einträge auf Echtheit untersucht, Informationen zu den Quellen veröffentlicht. Eine Checkliste zur Überprüfung von Quellen gibt es hier.
Kritisches über Medien veröffentlicht seit Jahren bildblog.de. Hinzu kommt: Insbesondere in sozialen Netzwerken sind Fake-News leicht zu verbreiten, ein Like oder Teilen ist schnell und vielleicht auch unüberlegt geklickt. Dies sollte man immer im Hinterkopf behalten. Forscher der Columbia University haben beispielsweise festgestellt, dass sechs von zehn Lesern Artikel teilen ohne sie vorher gelesen zu haben. T3n berichtete darüber hier. Ein ziemliches Reichweiten-Potenzial also für Fake-News.
TV ist beliebteste Nachrichtenquelle
Ich persönlich vertraue übrigens immer noch den klassischen Nachrichtenquellen. Laut „Reuters Institute Digital News Report 2016“ sind Fernsehnachrichten weiterhin die hierzulande meistgenutzte Nachrichtenquelle. 72 Prozent der Internetnutzer (ab 18 Jahren) informieren sich regelmäßig via TV über das Geschehen in Deutschland und der Welt. Auf Platz zwei folgen Radionachrichten (46 Prozent) vor 24h-TV-Nachrichtensendern (38 Prozent). Und auch wenn die sozialen Netzwerke an den gedruckten Zeitungen vorbeigezogen sind (31 Prozent der Befragten versorgen sich hier mit Nachrichten, in Tageszeitungen nur 17 Prozent) lese ich gerne meine Nachrichten auf einem Stück Papier. Der Grund ist eigentlich einfach: Journalisten in etablierten und angesehenen Tages- oder Fachzeitungen unterliegen überwiegend den selbst gesetzten ethischen Standards, dem Pressekodex. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie diesen so ausdehnen, dass komplett erfundene Geschichten geschrieben und vor allem auch gedruckt werden, scheint mir viel geringer als im Internet, und ich vertraue letztendlich darauf. Schließlich gibt es mit dem Presserat eine Institution, die solche Lügen zumindest öffentlich machen und rügen würde. Wer tut dies eigentlich – außer wir selbst – im Internet?
